Impulsforum 2026: Wenn Software das Steuer übernimmt

Das Impulsforum in Brugg-Windisch feierte am 11. März 2026 ein besonderes Jubiläum: Zum zehnten Mal traf sich das „Who-is-Who“ der Nordwestschweizer öV-Branche zum Networking. Doch statt nostalgischer Rückblicke stand ein Thema im Zentrum, das die gesamte Mobilitätswelt grundlegend transformieren wird: Das automatisierte Fahren.

Unter dem Titel „Wenn Software das Steuer übernimmt“ diskutierten 150 Teilnehmende – ein voller Erfolg für die Gastgeber Irina Leutwyler (Direktorin RVBW) und Michael Schmid (PostAuto) – über die Chancen und Hürden einer autonomen Zukunft.

Vom Pilotprojekt zum Standard: Die Schweiz gibt Gas

Während Robotaxis in Metropolen wie San Francisco oder Wuhan längst zum Stadtbild gehören, kommen sie nun auch in die Schweiz. Der entscheidende Wendepunkt? Die Gesetzesanpassung vom 1. März 2025, die den Weg für Pilotprojekte im öffentlichen Verkehr (öV) rechtlich geebnet hat.

Die Projektpipeline ist bereits gut gefüllt:

  • AmiGo (PostAuto): Geplant für 2027, sollen 25 automatisierte Pkw die Ostschweizer Strassen erobern.
  • Projekt iamo: Zwei selbstfahrende Shuttles werden bald das Furttal erschliessen.
  • Arbon: Hier wird intensiv an der Integration eines automatisierten Busses gearbeitet.

Die „Abnehmspritze“ für den Verkehr?

Hauptreferent Prof. Dr.-Ing. Thomas Sauter-Servaes lieferte in seiner Keynote die nötige Vision. Er stellte die provokante Frage: Sind autonome Fahrzeuge die dringend benötigte „Abnehmspritze“ für unsere verstopften Strassen? Sauter-Servaes zeichnete das Bild einer mobilen Zukunft, in der Privatfahrzeuge zu rollenden Wohnzimmern werden. Doch die entscheidende Frage für die Branche bleibt, wie man diese Technologie nutzt, um den Verkehrsfluss insgesamt zu optimieren, statt nur noch mehr Individualverkehr zu generieren.

Podiumsdiskussion: Integration ist die wahre Challenge

In der anschliessenden Debatte zwischen Thomas Sauter-Servaes, Pascal Kern (Kanton Zürich) und Martin Neubauer (PostAuto AG) kristallisierten sich drei Kernpunkte heraus:

  1. Aktive Gestaltung statt Abwarten: Die Politik und die Branche dürfen nicht nur reagieren. Wir müssen die regulatorischen Rahmenbedingungen jetzt schärfen.
  2. Skalierung ist alles: Automatisierte Mobilitätskonzepte entfalten ihr volles Potenzial erst mit grossen Flotten. In der kleinteiligen Struktur der Schweiz ist das eine logistische und wirtschaftliche Herausforderung.
  3. Die „Scooter-Dynamik“: Ähnlich wie damals die E-Trottinetts könnten automatisierte Services die Städte plötzlich fluten. Die Integration in das bestehende öV-System muss daher oberste Priorität haben.

„Es geht nicht mehr um die Frage, ob das automatisierte Fahren kommt, es geht darum, wie wir es steuern.“ – Konsens der Expertenrunde.

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