„Mein Auto, kein Auto“ – mobilecular im 3sat-Interview

3sat-mobilecularIst Carsharing die Zukunft der Mobilität? Ist diese Form der Mobilität schon heute eine tragfähige Alternative? Diese Fragen hat sich der Filmemacher Christian Bock in seiner 45-minütigen Wissenschaftsdokumentation „Mein Auto, kein Auto“ für den Sender 3sat gestellt. Fachlich unterstützt wurde die Dokumentation von Thomas Sauter-Servaes, der im Film auch als Experte interviewt wird.

Die vollständige Sendung „Mein Auto, kein Auto“ ist in der 3sat-Mediathek als Stream abrufbar.

PT Reloaded: Innovative Ideen für den Öffentlichen Verkehr von Bahrain

bahrain_mobilecularDie Rahmenbedingungen für den öffentlichen Verkehr in Bahrain sind schwierig. Benzin kostet in etwa den gleichen Preis wie abgefülltes Trinkwasser. Im Sommer machen Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit jede Bewegung ausserhalb klimatisierter Räume zu einer schweisstreibenden Angelegenheit. Gleichzeitig liegt die Autoverfügbarkeit auf extrem  hohem Niveau: durchschnittlich kann jeder Haushalt auf rund 2,5 Fahrzeuge zurückgreifen.

Allerdings hat auch im Inselstaat Bahrain das Umdenken begonnen. Das Leitbild privat-massenmotorisierter Mobilität wird zunehmend hinterfragt, seit das Verkehrsaufkommen  in den Hauptverkehrszeiten zu langen zeitraubenden Staus führt.

Die Kingdom University Bahrain hat unter der Führung von Asst. Prof. Dr. Hesham El Marsafawy nun eine Initiative angestossen, die sich die Entwicklung innovativer Konzepte für den öffentlichen Verkehr zum Ziel gesetzt hat. Dafür sollen Best-Practice-Erfahrungen aus der ganzen Welt genutzt werden. Um diese internationale Perspektive einzubinden, wurden das Institut für Transportation Design der HBK Braunschweig in Deutschland sowie der Studiengangleiter Verkehrssysteme der ZHAW School of Engineering eingeladen, das Vorhaben beratend zu unterstützen.

Erstes Ergebnis der geplanten Zusammenarbeit war ein fünftägiger Workshop in Bahrain. Ein interdisziplinäres Team bestehend aus Architekten, Ingenieuren, Designern, Stadtplanern und anderen Fachdisziplinen erkundete zunächst gemeinsam den aktuellen Status Quo des örtlichen Linienbussystems, bevor es auf der Grundlage verschiedener Fachinputs erste Lösungsansätze erarbeitete. In den kommenden Wochen werden die Konzeptideen vertieft. Anschliessend soll ein Projektantrag eingereicht werden.

Die Schweizer Zeitung „20 Minuten“ hat über das Projekt in einem Artikel berichtet.

Teilen und herrschen in der neuen Mobilitätswelt

iv-startseiteIn die Welt der urbanen Mobilitätsdienstleistungen ist in der jüngeren Vergangenheit Bewegung gekommen. Viele neue Anbieter haben die Bühne betreten, andere sind neue Kooperationen eingegangen und der kollaborative Konsum hat auch seinen Weg in den Markt gefunden. Stephan Rammler und Thomas Sauter-Servaes skizzieren die aktuellen Trends in der März-Ausgabe des Internationalen Verkehrswesens.

„Aus der durchschnittlichen Pkw-Lebenserwartung von heute 15 Jahren resultiert ein hohes Beharrungsmoment. Allein durch technischen Fortschritt kann die Mobilitätswelt daher kaum kurzfristig revolutioniert werden. Sollen die für 2020 postulierten Klimaziele im Verkehrsbereich realisiert werden, müssen substanzielle Beiträge über Verbesserungen innerhalb des determinierten Systems erzielt werden…“

Den vollständigen Text finden Sie hier.

Mehr zum Thema „Kollaborative Mobilität“ präsentiert demnächst die schweizerische Mobilitätsakademie anlässlich des ersten internationalen Kongresses zur Kollaborativen Mobilität (wocomoco – World Collaborative Mobility Congress). Details zu dieser Veranstaltung finden sich hier.

Innovative Mobilitäts-Dienstleistungen – Kurzstudie für die Hans-Böckler-Stiftung

Die Kurzstudie „Innovative Mobilitätsdienstleistungen“ für die Hans-Böckler-Stiftung gibt einen strukturierten Überblick über die aktuellen Entwicklungen im Mobilitätssektor und leitet knappe Thesen hinsichtlich beschäftigungspolitischer Implikationen ab. Die Ergebnisse einer sekundäranalytisch aufbereiteten Marktübersicht werden dabei im Rahmen einer verkehrs- und innovationspolitischen Matrix bewertet und mit Empfehlungen hinsichtlich sektoraler und regionaler Transformationsstrategien der Mobilitätsbranche verknüpft.

Die vollständige Studie können Sie hier downloaden.

Impulse für die Mobilitätswende – Szenarien zwischen Science und Fiction

Das 21. Jahrhundert braucht Visionen – Geschichten von besseren Lebensphilosophien, Geschichten über eine gelingende Zukunft. Die Entwicklung einer zukunftsfähigen Gesellschaft wird schon heute von erfolgreichen Projekten vorangetrieben: Unternehmen wie Bürger nutzen ihre Handlungsspielräume, um wegweisende ökonomische Strategien und Lebensstile zu entwickeln. Der FUTURZWEI-Zukunftsalmanach präsentiert ihre Geschichten und liefert damit Vorbilder für nachhaltige Wirtschafts- und Lebensmodelle. Er zeigt, dass Gegenentwürfe zur derzeitigen Leitkultur des Wachstums und der Verschwendung Spaß machen können.

Neben der Vorstellung dieser Initiativen betrachtet der Zukunftsalmanach 2013 die Mobilität als gesellschaftsprägendes Zukunftsthema. Dieser Schwerpunkt wurde von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des ITD verfasst. In überraschenden Szenarien wird unser mobiles Leben Mitte des 21. Jahrhunderts skizziert. Mit dem Hochgeschwindigkeitsnachtzug geht es quer durch Europa, Cargoflöße transportieren unsere Waren autark über Binnenwasserstraßen, Geschäftsreisen nach Übersee werden mit neuartigen Kreuzschiffen absolviert, Open Source Communities schrauben eigene E-Mobile zusammen – und dem ein oder anderen ist auch mal nach einer digitalen Diät.

Bestehende Technologien und Verkehrskonzepte werden in den Alltag von Menschen übersetzt und mit ihren Bedürfnissen, Wünschen und Träumen konfrontiert. Was dabei entsteht sind utopische Entwürfe, die zur Diskussion über ein „so könnte es gehen“ oder ein „so lieber nicht“ anregen. Ziel ist es, auf diese Weise Impulse für eine kreative Neugestaltung unserer Mobilität freizusetzen.

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Rezensionen:
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„Sowohl als auch“ statt „entweder oder“

Verkehrsträgerübergreifende Kooperationen bilden ein interessantes Marketingfeld für den Schienenverkehr im Marktsegment des Personenfernverkehrs. Meine Dissertation schildert eingangs die gemeinsam von Luft- und Schienenverkehr realisierten intermodalen Verkehrsdienstleistungen. Als innovative Ergänzung werden multimodale Kombimodelle vorgestellt, deren Implementierung und Betrieb bedeutend einfacher und kostengünstiger umzusetzen sind.

Pionier im Feld dieser sogenannten „soft alliances“ ist das detailliert betrachtete Fallbeispiel Night&Flight, bei dem eine Nachtzugfahrt und ein One-way-Flug zu einem flexiblen Mobilitätsangebot verknüpft wurden. Dieses wurde von den Anbietern speziell als Verkehrsdienstleistung für die Zielgruppe Geschäftsreisende beworben. Für Night&Flight konnten auf der Theorieebene gegenüber den monomodalen Reiseoptionen Kundenvorteile in den Bereichen der zeitlichen Flexibilität, der Zuverlässigkeit, des Reisepreises sowie klassischer weicher Verkehrsmittelwahlfaktoren (Kontrasterlebnis, Reisezeitnutzbarkeit, Lebensstilkompatibilität) identifiziert werden. Die Analyse des Geschäftsreisemarktes zeigt auf, dass sich die Verkehrsmittelwahl in den Bereichen Akteure (Entscheidung, Informationsbeschaffung), Kostensensibilität und Finanzierung deutlich von der Privatreise unterscheidet. Gleichzeitig resultieren aus dem wachsenden Kostendruck bei Geschäftsreisebuchungen zwei gegenläufige Trends. Beide durchbrechen die bisherigen Reisebuchungsroutinen und steigern prinzipiell die Markttransparenz, womit die Chance für innovative Angebote wie Night&Flight grundsätzlich steigt.

Mit dem modifizierten innovationstheoretischen Forschungsansatz von ROGERS wurde überprüft, inwieweit das Angebot von der Zielgruppe überhaupt wahrgenommen wird und die theoretischen Nutzenvorteile tatsächlich realisiert werden können. Zwei Teilerhebungen mit Kunden und Non-Usern ergaben, dass der Nachtzugverkehr mit Night&Flight keine Neukunden akquirieren kann, allerdings nachtzugerfahrene Reisende hierdurch verstärkt den Nachtzug statt das Flugzeug nutzen.

Langfristig ist der nächste Schritt auf der Entwicklungs- und Professionalisierungs-Treppe „nutzerorganisiert – betreiberorganisiert – providerorganisiert“ notwendig, um multimodale Reisen aus dem vollständigen Marktangebot zu erstellen und im Geschäftsreiseverkehr berücksichtigt zu werden. Letztlich muss eine Softwarelösung angestrebt werden, die aufbauend auf den luftverkehrsseitig bestehenden intramodalen Vergleichswerkzeugen um die Bahnwelt erweitert wird. Dabei garantiert nur die Aufweitung der Perspektive vom Nachtzugverkehr auf das komplette Schienenpersonenverkehrsangebot das Erreichen der kritischen Masse, die eine Refinanzierung der Investitionen in die Buchungstechnologie ermöglicht. Beim Aufbau dieses „Systemhauses Fernverkehr“ ist unbedingt auf den fairen Vergleich der verkehrsträgerspezifischen Bausteine zu achten (Reisezeit, -preis). Download