Langsamer ist besser: Starten und Warten für das Klima

wusfdk_kleinIn der Ausgabe 4/2013 des Fachmagazins Internationales Verkehrswesen erörtert ZHAW-Studiengangleiter Thomas Sauter-Servaes gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen von der TU Dresden und vom innoz Berlin die Potenziale neuartiger Logistikangebote. Denn nicht immer ist die schnellste Variante auch die beste.

Effizientere Güterverkehre spielen eine entscheidende Rolle, wenn die gesetzten Klimaziele erreicht werden sollen. Tatsächlich bedarfsgerechte Liefergeschwindigkeiten können hierzu ein wichtiger Schlüssel sein, wie die Ergebnisse des „MovingIDEAS“-Innovationsprozesses zeigen.

Im Rahmen des von „MovingIDEAS“ initiierten Wettbewerbs der Deutschen Bahn AG errang das Konzept „Warten für das Klima“ den ersten Platz. Es greift das Problem der steigenden Verkehrs- und Umweltbelastung durch den Versandhandel auf. Dieser Lösungsansatz schlägt vor, dem Kunden die Entschleunigung der Transportprozesse über die „Warten für das Klima“-Option zu ermöglichen.

In dem Beitrag erörtern die Autoren nicht nur ein alternatives Logistikangebot, sondern beschreiben an diesem Beispiel zudem ausführlich einen vorbildlichen Innovationsprozess.

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Studie zum Nachtzugverkehr der Zukunft veröffentlicht

nz-studieGemeinsam mit der DB International hat mobilecular im Auftrag des Internationalen Eisenbahnverbands (UIC) die Zukunft des Nachtzugverkehrs in verschiedenen Regionen der Welt untersucht. Ziel war die Klärung der Fragestellung, inwiefern die Nutzung von Hochgeschwindigkeitsstrecken und -fahrzeugen neue Chancen für den Nachtzugverkehr bieten. Als Benchmark für die Kostenseite wurden dabei ausgewählte Low Cost Airlines herangezogen.

In der Summe kommt die Untersuchung zu dem Schluss, dass entsprechende Nachtzugangebot eine umweltfreundliche Alternative zum Mittelstreckenluftverkehr bieten könnten. Auf zahlreichen Destinationen im Entfernungssegment über 2.000 km sind Bahnverbindungen mit Reisezeiten unter 12 Stunden realistisch umsetzbar. Allerdings scheitert aktuell die intermodale Wettbewerbsfähigkeit an den ungleichen Wettbewerbsbedingungen zwischen Flugzeug und Zug im internationalen Verkehr sowie den zum Teil exorbitant hohen Infrastrukturnutzungsgebühren im Schienenverkehr.

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1. Platz! „Warten für das Klima“-Konzept gewinnt DB Innovationswettbewerb

movingideas_200Die Innovationscommunity des Wettbewerbs „Moving Ideas“ hat entschieden: Die Innovationsidee „Warten für das Klima“ wurde zum Sieger gekürt. Die Idee stammt von Matthias Schmidt und wurde mit der Unterstützung von mobilecular weiterentwickelt und optimiert.

Der von der DB AG geförderte Innovationswettbewerb „Moving Ideas“ hatte bereits 2012 dazu aufgerufen, Ideen für eine nachhaltigere Mobilität einzureichen. Das nun siegreiche Konzept „Warten für das Klima“ verfolgt dabei den Ansatz, die kontinuierliche Verkürzung der Lieferzeiten im Versandhandel klimaschonend zurückzudrehen. Die Idee sieht vor, dass Kunden im Onlinehandel zukünftig eine maximale Wartedauer von beispielsweise Tagen angeben können, um dem Zusteller die Chance zur Aufkommensbündelung zu geben.

Im Rahmen der Veröffentlichung „Der FUTURZWEI Zukunftsalmanach“ hatte Thomas Sauter-Servaes ein derartiges Angebot bereits unter dem Titel „Emma&Son Lime“ beispielhaft beschrieben.

Teilen und herrschen in der neuen Mobilitätswelt

iv-startseiteIn die Welt der urbanen Mobilitätsdienstleistungen ist in der jüngeren Vergangenheit Bewegung gekommen. Viele neue Anbieter haben die Bühne betreten, andere sind neue Kooperationen eingegangen und der kollaborative Konsum hat auch seinen Weg in den Markt gefunden. Stephan Rammler und Thomas Sauter-Servaes skizzieren die aktuellen Trends in der März-Ausgabe des Internationalen Verkehrswesens.

„Aus der durchschnittlichen Pkw-Lebenserwartung von heute 15 Jahren resultiert ein hohes Beharrungsmoment. Allein durch technischen Fortschritt kann die Mobilitätswelt daher kaum kurzfristig revolutioniert werden. Sollen die für 2020 postulierten Klimaziele im Verkehrsbereich realisiert werden, müssen substanzielle Beiträge über Verbesserungen innerhalb des determinierten Systems erzielt werden…“

Den vollständigen Text finden Sie hier.

Mehr zum Thema „Kollaborative Mobilität“ präsentiert demnächst die schweizerische Mobilitätsakademie anlässlich des ersten internationalen Kongresses zur Kollaborativen Mobilität (wocomoco – World Collaborative Mobility Congress). Details zu dieser Veranstaltung finden sich hier.

Passepartu – der Anfang der Mobilität wie wir sie brauchen

passepartuDie Mobilitätsakademie in Bern veröffentlichte am 11. Dezember 2012 eine neue Ausgabe ihrer Jahrbuchreihe „Verkehrsvisionen“. In diesem Jahr enthält die Publikation meinen Beitrag „Passepartu – der Anfang der Mobilität wie wir sie brauchen“. Darin zeigt sich, dass eine kleine, nicht unrealistisch technische Entwicklung einen großen Wandel der Mobilitätskultur bewirken könnte. Wie das funktionieren kann, wird hier noch nicht verraten. Aber zumindest ein Blick auf die ersten Zeilen ist möglich:

„Die Sonne schien, da sie keine andere Wahl hatte, auf nichts Neues.“ Diese einleitende Zustandsbeschreibung aus Samuel Becketts Roman Murphy könnte auch den Aufzeichnungen eines gelangweilten außerirdischen Analysten vom Planet Allbeta entstammen. Im Jahr 2030 menschlicher Zeitrechnung hat er die Aufgabe, die Oberfläche des Planeten Erde auf Hinweise nach innovativen Verkehrslösungen zu scannen. Sein Fortschrittsbericht zur menschlichen Mobilität stellt keine wesentlichen Unterschiede zum letzten Routinebericht aus dem Erdenjahr 2012 fest. Die dortige Zivilisation scheint weiterhin auf die seit Jahrzehnten praktizierten Verkehrssysteme zu setzen. Business as usual, keine weitere Zeile wert. Doch der ferne Betrachter irrt.

Alles weitere im neuen Jahrbuch der Mobilitätsakademie. Dieses ist seit Anfang 2014 auch online verfügbar.

Soft Mobility – Neue Auflage für neue alte Herausforderungen

In der Broschüre „Soft Mobilitiy: Maßnahmen für eine klimaverträgliche Verkehrspolitik in Europa“ analysieren Die Grünen/EFA im Europäischen Parlament die Problemfelder der aktuellen Mobilitätspolitik. Als Antwort darauf werden alternative Verkehrsvisionen entworfen und mögliche politische Wege dorthin skizziert.

mobilecular wurde von Michael Cramer MdEP damit beauftragt, das verkehrspolitische Team bei der grundlegenden Überarbeitung der Ausgabe von 2009 zu unterstützen. Die neue Fassung wird voraussichtlich Anfang 2013 erscheinen.

Innovative Mobilitäts-Dienstleistungen – Kurzstudie für die Hans-Böckler-Stiftung

Die Kurzstudie „Innovative Mobilitätsdienstleistungen“ für die Hans-Böckler-Stiftung gibt einen strukturierten Überblick über die aktuellen Entwicklungen im Mobilitätssektor und leitet knappe Thesen hinsichtlich beschäftigungspolitischer Implikationen ab. Die Ergebnisse einer sekundäranalytisch aufbereiteten Marktübersicht werden dabei im Rahmen einer verkehrs- und innovationspolitischen Matrix bewertet und mit Empfehlungen hinsichtlich sektoraler und regionaler Transformationsstrategien der Mobilitätsbranche verknüpft.

Die vollständige Studie können Sie hier downloaden.

Impulse für die Mobilitätswende – Szenarien zwischen Science und Fiction

Das 21. Jahrhundert braucht Visionen – Geschichten von besseren Lebensphilosophien, Geschichten über eine gelingende Zukunft. Die Entwicklung einer zukunftsfähigen Gesellschaft wird schon heute von erfolgreichen Projekten vorangetrieben: Unternehmen wie Bürger nutzen ihre Handlungsspielräume, um wegweisende ökonomische Strategien und Lebensstile zu entwickeln. Der FUTURZWEI-Zukunftsalmanach präsentiert ihre Geschichten und liefert damit Vorbilder für nachhaltige Wirtschafts- und Lebensmodelle. Er zeigt, dass Gegenentwürfe zur derzeitigen Leitkultur des Wachstums und der Verschwendung Spaß machen können.

Neben der Vorstellung dieser Initiativen betrachtet der Zukunftsalmanach 2013 die Mobilität als gesellschaftsprägendes Zukunftsthema. Dieser Schwerpunkt wurde von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des ITD verfasst. In überraschenden Szenarien wird unser mobiles Leben Mitte des 21. Jahrhunderts skizziert. Mit dem Hochgeschwindigkeitsnachtzug geht es quer durch Europa, Cargoflöße transportieren unsere Waren autark über Binnenwasserstraßen, Geschäftsreisen nach Übersee werden mit neuartigen Kreuzschiffen absolviert, Open Source Communities schrauben eigene E-Mobile zusammen – und dem ein oder anderen ist auch mal nach einer digitalen Diät.

Bestehende Technologien und Verkehrskonzepte werden in den Alltag von Menschen übersetzt und mit ihren Bedürfnissen, Wünschen und Träumen konfrontiert. Was dabei entsteht sind utopische Entwürfe, die zur Diskussion über ein „so könnte es gehen“ oder ein „so lieber nicht“ anregen. Ziel ist es, auf diese Weise Impulse für eine kreative Neugestaltung unserer Mobilität freizusetzen.

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Rezensionen:
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„Sowohl als auch“ statt „entweder oder“

Verkehrsträgerübergreifende Kooperationen bilden ein interessantes Marketingfeld für den Schienenverkehr im Marktsegment des Personenfernverkehrs. Meine Dissertation schildert eingangs die gemeinsam von Luft- und Schienenverkehr realisierten intermodalen Verkehrsdienstleistungen. Als innovative Ergänzung werden multimodale Kombimodelle vorgestellt, deren Implementierung und Betrieb bedeutend einfacher und kostengünstiger umzusetzen sind.

Pionier im Feld dieser sogenannten „soft alliances“ ist das detailliert betrachtete Fallbeispiel Night&Flight, bei dem eine Nachtzugfahrt und ein One-way-Flug zu einem flexiblen Mobilitätsangebot verknüpft wurden. Dieses wurde von den Anbietern speziell als Verkehrsdienstleistung für die Zielgruppe Geschäftsreisende beworben. Für Night&Flight konnten auf der Theorieebene gegenüber den monomodalen Reiseoptionen Kundenvorteile in den Bereichen der zeitlichen Flexibilität, der Zuverlässigkeit, des Reisepreises sowie klassischer weicher Verkehrsmittelwahlfaktoren (Kontrasterlebnis, Reisezeitnutzbarkeit, Lebensstilkompatibilität) identifiziert werden. Die Analyse des Geschäftsreisemarktes zeigt auf, dass sich die Verkehrsmittelwahl in den Bereichen Akteure (Entscheidung, Informationsbeschaffung), Kostensensibilität und Finanzierung deutlich von der Privatreise unterscheidet. Gleichzeitig resultieren aus dem wachsenden Kostendruck bei Geschäftsreisebuchungen zwei gegenläufige Trends. Beide durchbrechen die bisherigen Reisebuchungsroutinen und steigern prinzipiell die Markttransparenz, womit die Chance für innovative Angebote wie Night&Flight grundsätzlich steigt.

Mit dem modifizierten innovationstheoretischen Forschungsansatz von ROGERS wurde überprüft, inwieweit das Angebot von der Zielgruppe überhaupt wahrgenommen wird und die theoretischen Nutzenvorteile tatsächlich realisiert werden können. Zwei Teilerhebungen mit Kunden und Non-Usern ergaben, dass der Nachtzugverkehr mit Night&Flight keine Neukunden akquirieren kann, allerdings nachtzugerfahrene Reisende hierdurch verstärkt den Nachtzug statt das Flugzeug nutzen.

Langfristig ist der nächste Schritt auf der Entwicklungs- und Professionalisierungs-Treppe „nutzerorganisiert – betreiberorganisiert – providerorganisiert“ notwendig, um multimodale Reisen aus dem vollständigen Marktangebot zu erstellen und im Geschäftsreiseverkehr berücksichtigt zu werden. Letztlich muss eine Softwarelösung angestrebt werden, die aufbauend auf den luftverkehrsseitig bestehenden intramodalen Vergleichswerkzeugen um die Bahnwelt erweitert wird. Dabei garantiert nur die Aufweitung der Perspektive vom Nachtzugverkehr auf das komplette Schienenpersonenverkehrsangebot das Erreichen der kritischen Masse, die eine Refinanzierung der Investitionen in die Buchungstechnologie ermöglicht. Beim Aufbau dieses „Systemhauses Fernverkehr“ ist unbedingt auf den fairen Vergleich der verkehrsträgerspezifischen Bausteine zu achten (Reisezeit, -preis). Download